Interview: Saltatio Mortis, Bochum (RuhrCongress)

Interview: Saltatio Mortis, Bochum (RuhrCongress)

10. Dezember 2015 Aus Von Lena

 

Alea der Bescheidene – Gesang

Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein – Drehleier, Dudelsack

Lest We Forget: Heute ist vorerst der letzte Tag eurer Zirkus Zeitgeist Tour. Wie lief die Tour bisher, seid ihr zufrieden?

Alea: Wir sind seit 4 Wochen unterwegs und zufrieden sein reicht dabei glaube ich nicht.

Falk: Genau! Die Tour läuft fantastisch. Deshalb haben wir auch beschlossen im Frühjahr Zusatztermine zu machen. Wir sind mit dem „Zirkus Zeitgeist“ und weiteren Terminen ab März 2016 wieder unterwegs.

Das Publikum ist wirklich der Wahnsinn, die Crew ist der Knaller und die Band arbeitet so schön zusammen, dass man es sich nicht besser wünschen kann.

Alea: Und unsere Vorband ist auch sehr klasse.

Falk: Ja, Nachtgeschrei sind wirklich Sau gut!

Außerdem haben wir auf dieser Tour noch eine DVD in Hamburg aufgenommen, die hoffentlich möglichst bald erscheint. Das war für uns alle eine einigermaßen große Belastung, weil es nur einen Versuch gibt und dabei muss alles klappen.

Alea: Aber wir haben jetzt schon die Rückmeldung von unserem Produzenten bekommen, dass keine großen Katastrophen dabei sind (lacht).

Lest We Forget: Das hört sich gut an! Ist denn schon oft etwas während einem Auftritt schief gelaufen?

Alea: Es sind schon unfassbar viele Dinge schief gegangen.

Falk: Jean Méchant ,der am Anfang der letzten Tour am ersten Tag, noch vor dem Soundcheck, in Krankenhaus musste und dann die komplette Tour nicht mitspielen konnte. Oder bei der Eisheiligen Nacht, wo auf dem letzten Konzert Alea im Krankenhaus war. Das sind Dinge die möchte man nicht erleben.

Alea: Es können aber auch weniger fatale, kleine Problemchen auftreten. Jean hat zum Beispiel einmal voller Inbrunst sein Piano von der Bühne geschmissen.

Lest We Forget: Unser Tourmanager Kai hat uns die Weisheit mitgegeben: Für Rock’n’Roll braucht man viel Humor. Mit dieser Weisheit kann man viel ertragen.

Lest We Forget: Euer Motto lautet: „Wer tanzt stirbt nicht“. Wie steht ihr damit zu den Ereignissen in Paris und den Folgen? Die Eagles Of Death Metal führen ihre Tour fort, Bands wie Papa Roach brechen sie ab?

Alea: Es gibt unserer Meinung nach darauf nur eine Antwort: Wenn wir uns von fanatischen Idioten die meinen, dass man wegen einer geistigen Haltung, die so wie sie sie interpretieren nicht einmal im originalen gedacht ist, Menschen opfern, töten oder bedrohen zu müssen einschüchtern lässt, hat man verloren. Das einzige was man gegen solche Leute machen kann ist: Sich nicht einschüchtern zu lassen.

Falk: Genau! Sobald wir uns dem beugen und ein Konzert absagen, hat der Terror gewonnen. Diese Aussagen kommen auch aus Paris, und das sind Leute die in dem Club waren.

Kurz danach haben wir viele Nachrichten von Freunden bekommen, die Bedenken hatten und uns gefragt haben, ob sie überhaupt kommen sollen. Wir hätten auch für drei oder vier Leute vor unserer Bühne gespielt. Für uns ist es keine Option nicht zu spielen. Ich finde es von den Leuten die Angst hatten sehr mutig trotzdem auf Konzerte zu kommen. Nicht nur bei uns, sondern bei allen Künstlern die unterwegs sind.

Alea: Was mir persönlich auch sehr wichtig ist, ist, dass man diesen Terror und Wahnsinn nicht mit Religion in Verbindung bringt.

Lest We Forget: Jetzt mal wieder zu einem erfreulichen Thema: Euer „Zirkus Zeitgeist“ hat es, wie das Vorgänger Album „Das schwarze 1×1″, auf Platz eins der deutschen Charts geschafft. Ist der Druck für ein Nummer-Eins-Album nach 15 Jahren Bandgeschichte trotzdem noch hoch?

Falk: Wir haben uns über die erste Nummer Eins unfassbar gefreut. Wenn man anfängt Musik zu machen, ist es ein ziemlich unrealistisches Ziel ein Nummer-Eins-Album zu schreiben. Nach der ersten Nummer-Eins haben wir uns getroffen und mal darüber geredet, ob wir den Druck haben, oder Geschäftspartner eine Erwartungshaltung haben. Dabei haben wir aber versucht den Druck bei uns selber nicht aufkommen zu lassen. Lasterbalk, der Lästerliche hat Texte abgeliefert, die sicherlich nicht dafür gedacht sind, um ein typisches Platz-Eins-Album zu schreiben. Bei der Musik selber haben wir uns bewusst nicht an die Pop-Erfolgsformel gehalten. Aber es ist trotz alledem eine Nummer-Eins geworden und darauf sind wir unfassbar stolz.

Wir haben zwar die Songs beigesteuert, aber die Nummer-Eins haben uns unsere Freunde und Fans geschenkt. Die sind für uns in den Laden gegangen und haben unsere Platte gekauft. Dadurch haben wir diese zweite Eins geschenkt bekommen.

Lest We Forget: Ihr habt kürzlich mit „Zirkus Zeitgeist – Ohne Strom und Stecker“ ein Akustik Album veröffentlicht. Was hat euch bei den Aufnahmen mehr Spaß gemacht?

Alea: Das kann man nicht wirklich sagen. Erstaunlich war für uns, dass bei „Ohne Strom und Stecker“ die Auseinandersetzung mit den Songs etwas ganz neues entstanden ist. Wir wollten schon die Möglichkeit haben die Songs nochmal anders zu interpretieren. Ich finde es sehr spannend, dass durch dieses freie ein drittes Gesicht von Saltatio Mortis entstanden ist.

Falk: Ich glaube, dass die „Ohne Strom und Stecker“ ganz viele Leute überrascht hat. Es ist kein Album, wo einfach nur auf Akustik-Instrumenten gespielt wurde, sondern es sind tatsächlich Songs, die man in ihrer Anmutung schon erkennt, die aber in ihrer Umsetzung zu neuen Songs geworden sind. Wir haben sogar eine Ukulele dabei.

Lest We Forget: Wer hat sie denn gespielt?

Alea: Till. Der kann alles spielen, was Saiten hat.

Lest We Forget: Ihr vereint sehr viele “ungewöhnliche” Instrumente wie eine Maultrommel, ein Didgeridoo und den Dudelsack in euer Musik. Wie läuft bei so vielen Möglichkeiten das Songwriting ab?

Alea: Saltatio Mortis sind moderne Spielleute. Wir haben schon immer mit mittelalterlichen Instrumenten zu tun gehabt. Natürlich sind die im Kern von unserem Songwriting, aber im Grundsatz muss für uns ein Song, wenn er entsteht, auch ohne Dudelsäcke oder E-Gitarren funktionieren. Ich schreibe Songs so, dass sie mit einer Akustik-Gitarre und einer Stimme funktionieren. Dann ist es für mich ein guter Song. Daraus kann ich dann eine Ballade, einen Rock Song, einen Metal Song oder einen Dudelsack-Kracher machen. Das ist alles machbar, aber das Gefühl muss da sein und erhalten bleiben. 

Lest We Forget: Zu eurem 15. Bandjubiläum haben eure Fans/euer Fanclub kleine Überraschungen vorbereitet. Wie habt ihr darauf reagiert als ihr zum ersten mal von eurem Fanclub erfahren habt?

Falk: Wir kennen die Totentänzer schon ziemlich lange. Sie sind mit uns durch dick und dünn gegangen und dafür lieben wir sie sehr. Wir haben von den Aktionen selber nichts gewusst, sind ihnen aber auch sehr dankbar. Vor allem, dass sie alles in einem Rahmen gehalten haben, dass wir nicht alle lachend von der Bühne gefallen sind oder völlig irritiert waren, sondern sowohl das Publikum, als auch wir Spaß daran hatten. Einmal gab es Luftballons in der ganzen Halle, das war so ein schönes Bild!

Alea: Oder Piraten-Flaggen.

Falk: Genau! Das waren alles so schöne, herzliche Ideen die dafür sorgten, dass auch das Erleben der Leute, die nicht bei den Totentänzern sind, durchaus gesteigert wird.

 

Die Zirkus Zeitgeist Tour wird 2016 für einige Zusatzkonzerte fortgesetzt. Tickets findet ihr hier

07.04.2016       Saarbrücken – Garage
08.04.2016                   Erfurt – Stadtgarten
09.04.2016        Oberhausen – Turbinenhalle
21.04.2016  Wilhelmshaven – Pumpwerk
22.04.2016            Hannover – Capitol
23.04.2016                      Kiel – Max
28.04.2016       Memmingen – Kaminwerk
29.04.2016            Karlsruhe – Substage